Veröffentlichung:
01.02.06
Der Ausbildungspakt muss weiterentwickelt werden

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01.02.2006
Der Ausbildungspakt muss weiterentwickelt werden


Die in dieser Woche vorgestellte Zwischenbilanz des Ausbildungspaktes lässt keinen Raum für euphorische Lobeshymnen. Ebenso falsch finde ich es, die Vereinbarung schon jetzt als gescheitert zu bezeichnen.

Formal haben die Partner des im Juni 2004 von Bundesregierung und deutscher Wirtschaft unterzeichneten Ausbildungspaktes auch im Jahre 2005 ihre Verpflichtungen aus dem Pakt erfüllt:
  • Die Wirtschaft hat sich im Pakt verpflichtet jährlich 30.000 neue Ausbildungsplätze zu schaffen: Bis Januar 2006 wurden 63.400 neue Ausbildungsplätze gewonnen.
  • Die Bundesverwaltung verpflichtete sich, ihr Ausbildungsangebot um 20 Prozent zu erhöhen: Das Ausbildungsangebot wurde bereits 2004 um 34 Prozent gesteigert und 2005 auf diesem Niveau fortgesetzt.
  • Die Wirtschaft verpflichtete sich, jährlich 25.000 Praktikumsplätze für eine betriebliche Einstiegsqualifizierung (EQJ) zu schaffen: Tatsächlich hat die Wirtschaft rund 42.000 EQJ-Plätze bereitgestellt, von denen bislang 19.800 besetzt worden sind.
  • Die Bundesregierung verpflichtete sich das "Bund-Länder-Ausbildungsprogramm Ost" im Jahr 2004 mit 14.000 Plätzen fortzuführen: Dies wurde 2004 erfüllt, und über die Paktverpflichtung hinaus wurden auch 2005 wiederum 14.000 betriebsnahe Plätze bereitgestellt.
Trotz dieser auf den ersten Blick positiven Bilanz hat der Pakt im Jahr 2005 kaum zu einer tatsächlichen Verbesserung der Ausbildungssituation ge- führt. Fest steht, dass nur im ersten Pakt-Jahr der Rückgang an betriebli- chen Ausbildungsplätzen gestoppt werden konnte, Ende 2004 gab es erst- mals mehr betriebliche Ausbildungsplätze als in einem Vorjahr.

2005 lag die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge mit 550.180 deutlich unter dem Ergebnis des Vorjahres (573.000). Auch die Nachver- mittlungsaktionen waren im Jahr 2005 weniger erfolgreich als im Vorjahr. Zwar ist es gelungen, die Zahl der unvermittelten Bewerber von 40.916 (September 2005) auf 17.539 (Dezember 2005) zu reduzieren, aber 2004 war die Nachvermittlung bei schwierigerer Ausgangslage erfolgreicher: Eine Reduzierung von 44.084 auf 14.925.

Als positives Ergebnis sehe ich die Einstiegsqualifizierungen. Dieses neu geschaffene Instrument der praxisorientierten Berufsvorbereitung hat sich vor allem deshalb bewährt, weil mehr als die Hälfte der Absolventen in eine Lehre gewechselt ist.

Der Ausbildungspakt hat aber nur dann eine Berechtigung, wenn er tat- sächlich zu einer Verbesserung der Ausbildungssituation führt. Das heißt, es muss zu einer tatsächlichen Steigerung von Ausbildungsangeboten kommen und es muss Maßnahmen zur Verstärkung der praxisorientierten Einstiegsqualifizierung geben.

Wir stehen in den kommenden Jahren vor großen Herausforderungen: Die Zahl der Schulabsolventen wird konstant hoch bleiben und erst im näch- sten Jahrzehnt abnehmen. Diese Schulabgänger und der sehr hohe Anteil der nicht vermittelten Altbewerber der vergangenen Jahre muss mit Aus- bildungsplätzen versorgt werden. Nur wenn das gelingt, können wir uns mit dem Ausbildungspakt zufrieden geben.

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