Beitrag:
09.03.06
im Deutschen Bundestag, Berlin
Gleichstellungsdebatte

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Weitere Standpunkte

09.03.2006
Sönke Rix im Deutschen Bundestag zur Gleichstellungs- debatte:

Es gilt das gesprochene Wort.

Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen,

wo ich herkomme, sagt man zu dieser Tageszeit, wie übrigens zu jeder anderen Tageszeit auch: Moin.

"Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern". So steht es im Grundgesetz: "Der Staat fördert…". Er fordert sie nicht oder setzt sie tatsächlich durch. Er fördert sie. Und das ist aus gutem Grund so. Gleichberechtigung kann nicht be- fohlen werden. Sie (an die Grünen) beschreiben das ja auch in ihrem Antrag. Ich zitiere: "Denn Gleichberechtigung ergibt sich nicht automa- tisch, sondern muss gesellschaftlich, politisch und - ich füge jetzt ein "erst dann" ein - gesetzlich begleitet und gestaltet werden."

Die Gleichstellung betrifft Männer und Frauen. Also kann auch die Überwindung der noch bestehenden Männerdominanz nur gemeinsam mit den Männern gelingen. Und mit der gleichzeitigen Erkenntnis, dass ein Beitrag beider Geschlechter in Familie und Beruf und somit für die Gesell- schaft erforderlich ist.

Denn hier steht die Kuh auf dem Eis. Wir brauchen ein Umdenken in den Köpfen aller Beteiligten. Ich habe nichts dagegen, wenn ein jeder nach seiner Facon selig werden möchte. Das ist gut und richtig. Wer aber einen anderen Lebensentwurf hat, als Einzelperson oder auch als Familie, muss die Möglichkeit haben, diesen auch zu leben. Der Mann geht zur Jagd und die Frau sitzt in der Höhle und passt auf die Kinder auf, das ist schon lange keine zeitgemäße Rollenverteilung mehr.

Wenn wir dieses tradierte Rollenmodell überwinden, haben wir nebenbei auch das hier zitierte Innovationshemmnis Männerdominanz überwunden.

Im Übrigen ein sehr unpassender Ausdruck. Er bringt nämlich zum Ausdruck, was nicht zum Erfolg führen kann: Ein Gegeneinander aller Beteiligten. Nun weiß ich ja, dass Sie mit dem Titel provozieren wollen. Aber zuviel Provokation kann dazu führen, dass nur noch über den Titel geredet wird. Das kann doch auch nicht gewollt sein. Wir wollen doch das gleiche: Eine Verständigung auf das gemeinsame Ziel "Gleichberechtigung", das wir miteinander erreichen wollen.

Der gestrige Internationale Frauentag hat noch einmal verstärkt den Augenmerk auf die Situation der Frauen in unserer Gesellschaft gelegt. Dabei wird deutlich, dass es noch viel zu tun gibt. Auch für uns Männer.

Wir müssen es schaffen, die politischen Rahmenbedingungen so zu verän- dern, dass die Väter sich mehr und mehr von dem üblichen Rollenver- ständnis verabschieden.

Wo wollen wir denn hin? Wir wollen dahin kommen, dass es für den Firmeninhaber eben nicht mehr selbstverständlich ist, dass nach der Geburt eines Kindes automatisch die Mutter zu Hause bleibt. Wir wollen dahin kommen, dass der Vater sein Recht auf Teilzeit oder Elternzeit in Anspruch nimmt. Und wir wollen dahin kommen, dass der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin sich nicht mehr auf der sicheren Seite wähnt, wenn vorwiegend Männer eingestellt werden. Diesen Weg wollen wir beschreiten. Die hier vorliegenden Anträge zielen in die richtige Richtung, sind nach meiner Meinung aber leider stellenweise etwas übermotiviert, wie es in der Fußballersprache so schön heißt.

Wir haben mit unserer Familienpolitik bereits die Weichen in diese Richtung gestellt. Mit dem Elterngeld sind wir auf dem richtigen Weg, Vätern das "Zu Hause bleiben" schmackhaft zu machen. Es gibt sie, die Väter, die den Nachmittag mit dem Kinderwagen auf dem Spielplatz verbringen wollen. Viele können es sich zurzeit aber einfach nicht leisten. Und da haben wir angesetzt. Mit unseren Bemühungen um eine verstärkte Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird vielen Männern - gerade auch meiner Generation - geholfen, dem Willen auch Taten folgen zu lassen.

Zum Schluss möchte ich einen Absatz ihres Antrages zumindest teilweise gerade rücken. Ich zitiere: "Gleichzeitig beschränken Geschlechterklischees auch Jungen in ihrer Berufswahl, die öffentliche Diskussion um Männer in Erzieherberufen spiegelt die individuellen und gesellschaftlichen Nachteile wider."

Dazu muss ich als staatlich anerkannter Erzieher feststellen: Ich konnte weder eine öffentliche Diskussion um meine Berufswahl noch irgendwelche gesellschaftlichen Nachteile feststellen.

Insofern möchte ich alle ermutigen, sich nicht auf die Rollenfestschrei- bungen in der Berufswelt einzulassen. Es gibt keine klassischen Männer- und Frauenberufe mehr und schon gar keine klassische Rollenverteilung innerhalb der Familie.

Vielen Dank.


Rix
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