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07.06.06
Wir brauchen dringend mehr Ausbildungsplätze

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07.06.2006
Wir brauchen dringend mehr Ausbildungsplätze


Am Freitag um 18:00 Uhr beginnt die Fußballweltmeisterschaft 2006 mit dem Eröffnungsspiel in München. Egal, ob man Fan der Nationalmannschaft ist oder nicht: Es wird schwer, sich in den kommenden vier Wochen dem runden Leder zu entziehen. Jeden Tag werden zwei bis drei Spiele live von den öffentlich-rechtlichen Sendern übertragen; zwei Drittel der Bundes- bürger trauen der deutschen Mannschaft zu, mindestens das Viertelfinale zu erreichen. Sie wären aber auch nicht enttäuscht, wenn es nicht klappt. Dann eben 2010.

Das ist ein Szenario, dem sich die großen Sponsoren der WM so gar nicht anschließen mögen. Unternehmen wie Adidas und die Deutsche Telekom investieren dreistellige Millionenbeträge, um das Image der Fußball-WM für den eigenen Umsatz zu nutzen. Nicht auszudenken, wenn Klinsmanns Jungs vorzeitig ausscheiden.

Szenenwechsel: Allein in Schleswig-Holstein sind immer noch ca. 8000 Jugendliche ohne einen Ausbildungsplatz. Die Abschlussprüfungen sind zu Ende und der Run auf die wenigen Plätze hat längst begonnen. Die Zeiten, in denen fünf Ausbildungswillige auf sechs Ausbildungsplätze kamen, sind vorbei und werden in absehbarer Zeit auch nicht wiederkommen.

Heute drängen sich die fünf Auszubildenden um maximal vier Ausbildungs- plätze und müssen sich dabei noch vorwerfen lassen, sie seien unflexibel, weil sie die Ausbildungsstelle im westlichen Nordfriesland nicht annehmen wollen. So lobenswert es ist, wenn Handwerksbetriebe in entlegenen Lan- desteilen ausbilden: Diese dafür anzuführen, dass noch Ausbildungsplätze unbesetzt seien, ist keine Lösung und geht sogar am Problem vorbei. Mit Sicherheit würde sich auch hier ein Auszubildender finden lassen, wenn er denn von seinem Lehrlingsgehalt Essen, eine Wohnung und eine gele- gentliche Heimfahrt bezahlen könnte. Das geht aber nicht mehr in Zeiten, in denen selbst ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft nicht mehr zwei- hundert DM sondern inzwischen zweihundert Euro kostet. Die Ausbildung der eigenen Kinder ist für Eltern längst nicht mehr die Zeit der finanziellen Entspannung. Viele Jugendliche brauchen die elterliche Finanzspritze bis zum Ende der Ausbildung.

Viele, die jetzt rufen, die Ausbildung sei zu teuer, die Lehrlingsgehälter zu hoch, die Berufsschule zu lang und der Bildungsstand zu schlecht, tragen ihren Kampf gegen unser bewährtes dualistisches System der Berufs- ausbildung auf dem Rücken der Jugendlichen aus. Mancher mag da wieder vom "Angelernten" träumen, der mit seinem Wissen nur im Anlernbetrieb bestehen kann. Das spart viel Geld. Geld, das dann für den Imagegewinn genutzt werden kann.

Ich finde, etwas weniger Geld für die Werbung und dafür ein paar Aus- bildungsplätze mehr, das wäre für das eigene Image deutlich besser.


Rix
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