Veröffentlichung:
06.09.06
Gesundheitsreform braucht Zeit - wenn sie gut werden soll …

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06.09.2006
Gesundheitsreform braucht Zeit - wenn sie gut werden soll …


Einer Umfrage zufolge lehnen 80 Prozent der Bundesbürger eine Reform unseres Gesundheitswesens ab. Man kann es ihnen ehrlicherweise nicht verdenken. Monatelang gibt es außer der Ankündigung einer Reform nur hingeworfene Informationsbrocken. Die handelnden politischen Akteure sind sich in vielen Fragen nicht einig. Ein erster Entwurf, der auf mysteriösen Wegen das Gesundheitsministerium verlassen hat, wurde von der Kanzlerin prompt wieder eingesammelt. Die weiteren Verhandlungen finden jetzt im Geheimen statt. Ärzte, Krankenkassen, Apotheker und Pharmafirmen kennen auch keine Einzelheiten, beschwören sicherheits- halber aber schon mal den Untergang des Abendlandes für den Fall, dass die Reform kommt.

Aber drei Tatsachen sind nun mal sicher: Immer weniger junge und gesun- de Menschen zahlen Beiträge in die gesetzliche Krankenversicherung ein. Gleichzeitig beschert uns die demographische Entwicklung immer mehr ältere Mitbürger, die immer häufiger medizinische Leistungen in Anspruch nehmen, aber im Durchschnitt geringere Beiträge zahlen. Und der medi- zinische Fortschritt und die Versorgung werden leider nicht billiger. Neue und bessere Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten sind teuer. Das bedeutet, dass unser solidarisches Gesundheitssystem in der Zukunft über die bisherigen Finanzierungsströme nicht mehr zu bezahlen ist.

Glücklicherweise sind sich alle einig, dass niemand über seine Leistungs- fähigkeit hinaus Beiträge zur Krankenversicherung zahlen soll. Weiterhin besteht Einigkeit darin, dass jeder die medizinische Versorgung erhalten soll, die er braucht, um wieder gesund zu werden.

Die große Koalition hat sich zum Ziel gesetzt, in dieser Wahlperiode eine geänderte Finanzierung auf den Weg zu bringen. Die bisher bekannt gewordenen Eckpunkte würden - neben vielen weiteren Aspekten - den Einstieg in eine Steuerfinanzierung und einen einheitlichen Beitragseinzug bedeuten. Ich finde, das sind schon einmal zwei sehr wichtige Punkte. Diese dürfen nun aber nicht durch überstürztes Handeln kaputtgemacht werden. Natürlich wäre es schön, wenn wir noch in dieser Wahlperiode eine fertige Gesundheitsreform verabschieden könnten, mit der alle Beteiligten zufrieden sind und die keinen Partner im Gesundheitswesen unangemessen benachteiligt. Aber wenn das jetzt nicht möglich ist, dann muss die Gesundheitsreform in mehreren Schritten umgesetzt werden. Möglicherweise auch über diese Wahlperiode hinaus. Das wäre dann auch kein Beinbruch.

Eine Sache dauert immer so lange, wie man Zeit dafür hat, sagt ein Sprichwort. Ich würde sagen, eine gute Sache darf auch noch ein biss- chen länger dauern. Das Abendland wird diese Reform jedenfalls über- stehen.


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