Pressemitteilung:
21.11.06
Jugendliche brauchen Anerkennung statt Videospiele

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21.11.2006 - Jugendliche brauchen Anerkennung statt Videospiele


Zur aktuellen Diskussion über den Jugendschutz erklären die Vorsitzende des Familien- und Jugendausschusses des Bundestages, Kerstin Griese, und der zuständige Berichterstatter, Sönke Rix:

Die Politik soll nicht so tun, als könne sie einen solch schrecklichen Vorfall wie in Emsdetten quasi gesetzlich verhindern. Sie kann nur einen punktuellen Beitrag dazu leisten, dass Kinder und Jugendliche vor negativen Einflüssen geschützt werden und mehr Anerkennung finden.

Leider finden Kinder gerade in bildungsfernen Schichten immer weniger positive Anregungen im Elternhaus. Deshalb müssen sowohl die Elternkompetenzen gestärkt werden als auch den Schulen mehr Erziehungsaufgaben zugewiesen werden. Nirgends werden die Schüler so früh in verschiedene Schulformen selektiert, wie in Deutschland. Statt anerkannt fühlen sich viele schlicht aussortiert. Die Lehrerausbildung muss völlig neu akzentuiert werden. Lehrer benötigen weitaus mehr Erziehungskompetenzen. Sie müssen lernen, Schülern positive Anerkennung zukommen zu lassen.

Dringend notwendig ist der Aufbau eines flächendeckenden Ganztagsschulsystems. Leider haben die Bundesländer das vor drei Jahren gestartete Vier-Milliarden-Programm des Bundes erst sehr halbherzig umgesetzt. Viel zu viele Kinder, insbesondere Jungen, verbringen den gesamten Nachmittag mit Fernsehen, zweifelhaften Videos und Computerspielen.

Von der populistischen Forderung, Gewaltvideospiele zu verbieten, halten wir nichts. Im Zeitalter des Internets ist das blauäugig. Ob sich die Einteilung von Computerspielen in Altersklassen bewährt hat, muss hingegen überprüft werden. Zwar ist das eine hilfreiche Richtschnur für Eltern. Jedoch gilt die Kennzeichnung "ab 16" oder "ab 18" unter vielen Jugendlichen gewissermaßen als "Qualitätssiegel". Alles andere wird als "Kinderkram" angesehen. Bei vielen Videospielen wäre es besser, sie als "jugendgefährdend" zu indizieren. Dann dürfen sie Jugendlichen nicht mehr zugänglich gemacht werden, und es gibt ein Werbeverbot. Damit wird ihre Verbreitung reduziert und die Entwicklung neuer Killerspiele für die Industrie uninteressant gemacht.


Rix
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