Jeder weiß etwas dazu zu sagen, eine Pressemitteilung jagt die nächste, die Medien sind voll, (selbsternannte) Experten diskutieren bei Frau Christiansen, wovon sie in Wahrheit nichts verstehen. Insbesondere das Thema „Killerspiele“ ist wieder in aller Munde. Von einigen wird ein Verbot dieser Computerspiele gefordert, die Spieler-Gemeinde wehrt sich dagegen mit dem Hinweis auf die angeblich geringe Zahl gewaltbereiter Spieler.
Ich meine, selbstverständlich muss man Gewaltvideospiele als "jugendgefährdend" indizieren. Damit dürfen sie nicht mehr beworben und Jugendlichen zugänglich gemacht werden. Die Entwicklung neuer „Killerspiele“ wird damit für die Industrie uninteressant und die Verbreitung reduziert. Damit einhergehen muss eine Verschärfung der Kontrolle über die Abgabe an Jugendliche. Genau wie für hochprozentigen Alkohol, Zigaretten und Pornofilme sollte für die „Killerspiele“ gelten: Keine Abgabe an unter 18-Jährige! Und es muss dafür gesorgt werden, dass dies auch eingehalten wird.
Aber es kann niemand ernsthaft glauben, dass sich damit solche Tragödien verhindern ließen!
Bei den Tätern lag neben ihrer Leidenschaft für „Killerspiele“ viel mehr im Argen. In beiden Fällen, Erfurt und Emsdetten, waren die Täter z. B. so genannte „Schulverlierer“ oder nahmen sich jedenfalls als solche wahr. Es geht hier vermutlich also nur am Rande um „Killerspiele“.
Die gesellschaftlichen Entwicklungen haben eine ganze Reihe von Veränderungen im Alltag von Jugendlichen verursacht: Familienverbände brechen auseinander, soziale Netzwerke sind zunehmend schwer aufzubauen und Jugendliche verbringen ihre Nachmittage oft alleine. Die Medien sind als Sozialisationsinstanz dazugekommen. Mit diesen Entwicklungen stellen sich mir neue Fragen, z. B.:
- Wie kann es sein, dass ein Kind sich auf ganzer Linie als „Verlierer“ betrachtet?
- Wer kontrolliert, was im Kinderzimmer vor sich geht?
- Wie kommt es, dass Jugendliche Zeit haben, stundenlang am Computer herumzudaddeln?
- Welche Auswirkungen haben Gewaltvideospiele auf ihre Konsumenten?
- Können Ganztagsschulen aus der Misere helfen und wie müssen diese ausgestattet sein?

