Vor einer Woche hat die Polizei in fast allen Bundesländern Razzien bei der "Heimattreuen Deutschen Jugend" (HDJ) durchgeführt. Diese Gruppierung war im Sommer durch ein Jugendlager in Mecklenburg-Vorpommern aufgefallen. Kindern zwischen 8 und 14 Jahren wurde unter dem Deckmantel einer Ferienfreizeit nationalsozialistisches Gedankengut eingetrichtert. Neben theoretischen Unterricht haben die Kinder auch Ehrenwachen und Fahnenappelle abgehalten. Das ganze Lager war durchzogen von Runen und Hakenkreuzen, selbst auf den Tagebüchern.
Ähnlich wie die im Jahre 1994 verbotene "Wiking Jugend" (WJ) zielt auch die HDJ mit ihrem sog. Lebensbund-Konzept darauf ab, Freizeitangebote für Familien und Kinder anzubieten, welche der Verbreitung antisemitischer und völkischer Ideologie dienen. Nach Eigendarstellung der HDJ sollen bereits "Kleinstkinder", aber auch Jugendliche für den Rechtsextremismus gewonnen und nach Familiengründung ein Ausscheiden aus der rechtsextremistischen Szene verhindert werden. Die HDJ ist bemüht, für Kinder und Jugendliche eine völkisch-nationalistische Parallelwelt zu schaffen. Nach Angaben des Landesamtes für Verfassungsschutz Sachsen versucht die HDJ mit "scheinbar harmlosen Freizeitangeboten Kinder und Jugendliche an sich zu binden". Im Rahmen von Zeltlagern werden ideologische Schulungen durchgeführt und militaristische Rituale praktiziert. Die Auftritte der HDJ zeichnen sich durch Uniformen oder uniformähnliche Pflichtkleidung, oftmals mit Verbands- und Sonderabzeichen, aus. Nach Einschätzung des Bundesamtes für Verfassungsschutz betreibt die HDJ "unter Vorspiegelung einer jugendpflegerischen Tätigkeit eine gezielte Ideologisierung ihrer Mitglieder". Die HDJ strebt eine Abschaffung unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung an - sie stellt also eine Gefahr für Deutschland und unsere Demokratie dar.
Im Deutschen Bundestag ist man sich einig, dass die HDJ so schnell wie möglich verboten werden soll. Die entsprechenden Anträge liegen vor und werden noch in dieser Woche beschlossen. Eines muss allerdings auch hier klar sein. Ein Verbotsverfahren muss auch vor dem Bundesverfassungsgericht Bestand haben. Hier ist der Bundesinnenminister gefordert, sofort mit der Beschaffung der Fakten zu beginnen. Bis dahin sollten auf jeden Fall die Innenminister der Länder Informationsmaterial für Polizei, Jugendämter und -verbände zusammenstellen, um weitere jugendgefährdende Zeltlager und eine Uniformierung von Kindern zu verhindern. Der beste Schutz vor Ferienlagern der HDJ und ähnlichen sind aber immer noch Freizeitangebote von demokratischen Institutionen. Dazu muss die öffentliche Hand die Mittel weiter bereitstellen. Vom Bund kommen bereits 24 Millionen Euro pro Jahr für den Kampf gegen Rechtsextremismus.

