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Bericht aus Berlin:
10.12.08
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10.12.08 - Bericht aus Berlin:
Politische Bildung verbessern


Auf meinen letzten „Bericht aus Berlin“ habe ich viele Rückmeldungen bekommen. Sowohl positive als auch skeptische. Vor zwei Wochen schrieb ich über die Diskussion, das Wahlalter auf 16 Jahre abzusenken. Ich bin der Meinung, dass Jugendliche nicht nur bei Kommunalwahlen mit 16 wählen sollten, sondern auch bei Landtags- und Bundestagswahlen. Denn auch dort werden Entscheidungen getroffen, die Jugendliche direkt betreffen.

In den skeptischen Rückmeldungen hieß es: Zu jung, zu unerfahren, zu wenig politisch gebildet seien die 16-Jährigen. Nun hat eine Studie der Universität Hohenheim bestätigt, dass 16-Jährige tatsächlich häufig nicht in der Lage sind, politische Zusammenhänge zu erfassen, die Bedeutung des Wählens falsch einschätzen und auch mit dem Wort „Föderalismus“ nicht viel anfangen können. Das liegt allerdings nicht vorrangig an ihrem Alter, sondern an der mangelnden politischen Bildung. Auch viele Erwachsene wissen nicht, welche Rolle der Bundesrat im Gesetzgebungsverfahren spielt oder was gar mit dem Prinzip der Subsidiarität gemeint ist. Ob jedoch ein Erwachsener sich für politische Zusammenhänge interessiert, können wir nur schwer beeinflussen. Doch dort, wo wir politisches Interesse noch wecken können, sollten wir das auch tun. Nämlich in den Schulen.

Hier kann der Politikunterricht greifen. Viel früher als bisher müssten Jugendliche sich mit unserem demokratischen System beschäftigen, mit den Parteien und anderen politischen Kräften. Mir geht es nicht darum, das Wahlalter Hals über Kopf zu senken. Voraussetzung dafür ist nämlich, dass Jugendlichen das entsprechende Rüstzeug mitgeben wird. Die erwähnte Studie hat herausgefunden: Jugendliche mit 16 sind genauso interessiert wie volljährige Erstwähler. Die Herausgeber der Studie vermuten zudem, dass das Interesse an Politik und die Motivation, sich mit ihr zu beschäftigen, durch eine Senkung des Wahlalters gefördert werden kann.

Und es geht schließlich nicht ums Wählen allein. Würde in den Schulen schon früh die Demokratie erklärt, gelehrt und durch regelmäßiges Abstimmen über notwendige Entscheidungen auch gelebt werden, würden sich möglicherweise mehr Schüler und dann natürlich auch Erwachsene politisches Engagement zutrauen. Zurzeit fühlen sich viele nicht richtig informiert, verfügen über ein Halbwissen, das sie vom Engagement in der Demokratie noch abhält. Klar: Alle vier Jahre zu wählen, gehört zum politischen Engagement. Aber das ist nicht alles: Die Beteiligung an Entscheidungsprozessen, die Teilhabe, die konstruktive Kritik und der Wille zu Verbesserung – all das macht Demokratie aus. Dafür müssen früh die Grundlagen gelegt werden.

Detailergebnisse der Studie finden Sie im Internet unter www.uni-hohenheim.de/presse


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