Sönke Rix Bundestagsabgeordneter für den Kreis Rendsburg-Eckernförde


Meinung

Bericht aus Berlin

In regelmäßigen Abständen bittet die Eckernförder Zeitung die Rendsburg-Eckernförder Bundestagsabgeordneten um einen Bericht aus Berlin. Mit 2.700 Zeichen sollen wir berichten, was im Parlament gerade aktuell ist, was uns bewegt, womit wir uns beschäftigen. Ich komme dieser Bitte gerne nach.

Wertschätzung für Familien

18.04.2012

Nicht allein der demografische Wandel – also das Älterwerden der Bevölkerung – ist Grund für die Diskussion um eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Es geht vor allem um eine zentrale gesellschaftspolitische Frage, der sich die meisten gar nicht mehr entziehen können: Wie können wir unseren Kindern ein gutes Aufwachsen ermöglichen und gleichzeitig dafür sorgen, dass wir beruflich auf der Höhe bleiben und finanziell über die Runden kommen?

Diese Frage stellen sich Mütter und Väter gleichermaßen. Viele von ihnen wollen während und nach der Familienphase erfolgreich in ihrem Beruf arbeiten, sich weiterbilden und Karriereschritte machen. Häufig haben Paare aber auch gar nicht die Möglichkeit, dass ein Elternteil längere Zeit aus dem Beruf aussteigt – schlicht weil die Familie auf zwei Gehälter angewiesen ist.

Einer unserer zentraler Bausteine zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist deshalb der quantitative und qualitative Ausbau der Kindertagesstätten. In der Großen Koalition haben wir einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz ab 2013 für Kinder ab dem ersten Lebensjahr durchgesetzt. Das heißt nicht, dass wir die Betreuung und frühkindliche Erziehung in der Kita für besser oder schlechter halten als in der Familie. Jedoch sind viele Paare auf Kitas angewiesen.

Zudem wollen wir, dass die Arbeitswelt gerechter wird: Mindestlöhne, gleicher Lohn für gleiche Arbeit und Existenz sichernde, abgesicherte Arbeitsverhältnisse. Wir wollen die Elternzeit für Paare noch attraktiver machen und partnerschaftliche Teilzeitmodelle fördern. Hier muss auch ein Mentalitätswechsel in den Unternehmen stattfinden. Zum Beispiel darf kein Vater mehr schief angeguckt werden, wenn er in eine längere Elternzeit geht.

Schwarz-Gelb streitet sich momentan über die Einführung des Betreuungsgelds, das an Eltern ausgezahlt werden soll, die ihre Kinder nach den ersten zwölf zuhause  betreuen. Dem Bundeshaushalt werden dadurch jährlich Kosten in Höhe von 2 Milliarden Euro entstehen. Abgesehen von der hohen Haushaltsbelastung halte ich das Betreuungsgeld  politisch für Unsinn. Denn es setzt als Fernhalteprämie die Chancen der Kinder aufs Spiel, die frühe Bildung am nötigsten haben. Es schafft Anreize, genau diese Kinder aus den Kitas fernzuhalten. Auch ordnungspolitisch ergibt es wenig Sinn: Soll es demnächst auch Geld für Eltern geben, wenn ihre Kinder nicht zu einer Musikschule oder in die Bücherei gehen?

Nach unseren Vorstellungen müssen die zwei Milliarden, die ab 2013 für das Betreuungsgeld verschwendet werden, in den Ausbau von Krippenplätzen, in die höhere Anerkennung und die Finanzierung von Erzieherinnen und Erziehern investiert werden. Dort würden sich diese Investitionen lohnen.

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Kommentar von Uwe Schröder am 19.04.2012 um 19:52

Moin Sönke,

wenn ein Erzieherpaar ein Kind "bekommen" hat und es anschliessend in eine Kita geben muss -nicht will-, weil es auf beide Gehälter angewiesen ist, dann liegt das Problem nicht in fehlenden Kitaplätzen.
Viel mehr muss gewährleistet sein, dass ich auch als Alleinverdiener eine Familie "ernähren" kann.
Besten Gruß
Uwe

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