Sönke Rix Bundestagsabgeordneter für den Kreis Rendsburg-Eckernförde


Meinung

Bericht aus Berlin

In regelmäßigen Abständen bittet die Eckernförder Zeitung die Rendsburg-Eckernförder Bundestagsabgeordneten um einen Bericht aus Berlin. Mit 2.700 Zeichen sollen wir berichten, was im Parlament gerade aktuell ist, was uns bewegt, womit wir uns beschäftigen. Ich komme dieser Bitte gerne nach.

In Würde leben, in Würde sterben

12.11.2014

Die aktuelle Debatte über Sterbehilfe ist geprägt von Unsicherheiten und Ängsten, die viele Menschen haben, wenn sie an ihr Lebensende denken. Dabei geht es zuerst darum, Leiden und Schmerzen zu verhindern oder zu lindern.

Das Recht auf ein selbstbestimmtes Ende des Lebens ist vielen Menschen wichtig. Und es geht darum, wie die Gesellschaft damit umgeht, dass Menschen in Alter, Krankheit und Einsamkeit befürchten, anderen zur Last zu fallen. Die Achtung vor dem Leben hat für mich in dieser Debatte einen sehr hohen Stellenwert.

Die Antwort einer solidarischen Gesellschaft darf meines Erachtens nicht die Ausweitung von Sterbehilfe sein. Wir brauchen stattdessen mehr Aufklärung, mehr und bessere Hospizarbeit und den Erhalt und die Sicherung des Freiraumes, den Ärztinnen und Ärzte in ethischen Grenzsituationen am Ende des Lebens schon heute haben. 

In Deutschland werden die Begrifflichkeiten rund um die Sterbehilfe oftmals ungenau verwendet. Eine Unterscheidung zwischen aktiver, passiver und indirekter Sterbehilfe, sowie einem assistierten Suizid ist unerlässlich. Und nur die aktive Sterbehilfe ist in Deutschland gesetzlich verboten.

Aktuell gibt es unterschiedliche Formulierungen im ärztlichen Standesrecht, die entweder besagen, dass der Arzt eine Beihilfe zum Suizid nicht leisten darf oder nicht leisten soll. Wir müssen klären, ob dies den ärztlichen Freiraum sichert oder einschränkt und wie wir die bestehenden legalen Möglichkeiten der Hilfe am Ende des Lebens erhalten. Die Klarstellung im Standesrecht ist allerdings Sache der Ärzte.

 Ich frage mich, ob wir die bestehenden ärztlichen Behandlungsmöglichkeiten durch ein strafrechtliches Verbot nicht einschränken würden, denn passive Sterbehilfe, indirekte Sterbehilfe, Behandlungsunterbrechung, palliative Sedierung, oder assistierter Suizid sollten wir nicht verbieten. Die Abgrenzung der strafbaren „Tötung auf Verlangen“ von der straffreien „Beihilfe zum Suizid“ hat sich bewährt. 

An erster Stelle steht für mich, dass das Ende des Lebens unter Einbeziehung der Menschen aus dem Umfeld des Sterbenden, der Ärzte und Pfleger unter ethischen Gesichtspunkten individuell gestaltet werden sollte. Dazu wird es gesetzliche Initiativen zum Ausbau der Hospizarbeit und der Möglichkeiten für ein schmerzfreies Sterben mit einem Maximum an Lebensqualität geben. 

Der Deutsche Bundestag wird sich in einer Orientierungsdebatte am 13. November 2014 mit dem Thema Sterbehilfe beschäftigen. Daraus werden Gruppenanträge erarbeitet und ich werde mich dem Gruppenantrag anschließen, der meiner Position entspricht beziehungsweise am Nächsten kommt.

Erschienen als "Bericht aus Berlin" in der Eckernförder Zeitung am 12.11.2014 zur Fragestellung: „Selbstbestimmtes Lebensende – wie weit darf die Entscheidungsfreiheit gehen?“  


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