Sönke Rix Bundestagsabgeordneter für den Kreis Rendsburg-Eckernförde


Meinung

Bericht aus Berlin

In regelmäßigen Abständen bittet die Eckernförder Zeitung die Rendsburg-Eckernförder Bundestagsabgeordneten um einen Bericht aus Berlin. Mit 2.700 Zeichen sollen wir berichten, was im Parlament gerade aktuell ist, was uns bewegt, womit wir uns beschäftigen. Ich komme dieser Bitte gerne nach.

Zuständigkeiten klären

15.06.2011

Über 3000 EHEC-Infizierte, davon fast 800 mit der schweren Verlaufsform HUS. 36 Menschen sind dieser Krankheit erlegen. Das sind die nüchternen Zahlen der bislang schwersten Infektion dieser Art in Deutschland.

 Als Quelle des EHEC-Bakteriums wurde ein landwirtschaftlicher Betrieb in Niedersachsen ausgemacht, aber wie der Keim dorthin gelangt ist, ist noch unklar.

Soweit lässt sich die Faktenlage zusammenfassen. Aber welche Schlussfolgerungen sind daraus zu ziehen? Zunächst möchte ich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Robert-Koch-Institut (RKI), den Laboren, den Lebensmittelüberwachungsbehörden und den Krankenhäusern für ihren Einsatz danken, der weit über den regulären Dienstplan hinausging und auch immer noch hinausgeht. Denn die Gefahr ist noch nicht gebannt. Es kommen zwar nicht mehr so viele Neuerkrankungen pro Tag hinzu, aber immer noch infizieren sich Menschen mit diesem gefährlichen Keim.

Mir hat diese Problemsituation eines gezeigt: Die Zuständigkeit der einzelnen Länder stand und steht der Suche nach der Quelle der Infektionen im Weg. Die Kompetenz des RKI muss ausgebaut werden. Es darf nicht ausschließlich auf Bitten eines Bundeslandes tätig werden, sondern es muss selbstständig auf die Länder zugehen und handeln können. Außerdem müssen wir die länderübergreifende Behördenkommunikation und ihr Krisenmanagement überprüfen und verbessern. Die Länder sollten gemeinsam mit dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit Vorschläge erarbeiten, mit denen der Informationsaustausch zwischen den einzelnen Kontrollbehörden ausgebaut wird. Alle beteiligten Behörden müssen die eingestellten Informationen zeitnah nutzen können. Das ist zurzeit nicht der Fall, da das Meldesystem technisch ganz und gar nicht auf dem neuesten Stand ist. Meldungen über Infektionen von den Gesundheitsbehörden an das RKI werden bspw. auf dem Postweg weitergegeben. Das muss sich ändern, indem moderne Wege der Kommunikation wie E-Mail und Datenbanken genutzt werden.

Aber auch Bürgerinnen und Bürger müssen sich bundesweit und zeitnah über Verzehrwarnungen, Rückrufaktionen und beanstandete Produkte informieren können. Als zentrale Informationsplattform sollte eine Internetseite „www.lebensmittelwarnung.de“ vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz eingerichtet werden. Dieser Vorschlag wurde bereits im Frühjahr 2010 im Fall des mit Listerien verseuchten Käses diskutiert. Leider befindet sich die Seite immer noch im Aufbau.
Einen absoluten Schutz vor Infektionen wird es nie geben. Wir können nur versuchen, aus jedem Vorfall zu lernen, mit jedem Mal effizienter und effektiver den Infektionsherd zu finden und eine Ausbreitung des Erregers zu verhindern.

Trackback-URL

Schlagwörter:

Kommentar eintragen:

Vorname:
Nachname*:
Email:
Website:
Kommentar*:
Sicherheitscode*: CAPTCHA Image
 

Kommentare:

Kommentar von annette giencke am 17.06.2011 um 10:26

Moin Sönke,
wie schaffen wir eine neutrale Site,die (regional?) die vorhanderen "sauberen" Anbieter von der -Milschschnittenwerbung- trennt?

Ethik oder Profit?

Grüße
Annette

Kommentar von Sönke Rix am 20.06.2011 um 16:10 (Website)

Liebe Annette,

ich bin mir nicht sicher, ob wir wirklich eine Internet-Seite brauchen, die die "guten" und die "bösen" regionalen Anbieter auflistet. Überspitzt gesagt: Wer eine Milchschnitte nicht von einem Apfel unterscheiden kann, der braucht auch keine neue Internetseite, bzw. würde sie auch nicht aufrufen. Für alle anderen würde ich mich freuen, wenn sie häufiger mal auf den örtlichen Wochenmarkt gehen. Die Händlerinnen und Händler dort wissen meistens ziemlich genau, woher ihre Produkte stammen. Meistens stellen sie sie selbst her.

Eine Seite, wie sie Dir vorschwebt, ist zurzeit in der Vorbereitung. Sie wird mit Wahrheit und Klarheit (Zitat Ilse Aigner) zu tun haben und den Konsumenten ermöglichen, ihrer Meinung nach "schlechte" Lebensmittel bloßzustellen und gleichzeitig den Produzenten die Möglichkeit zur Verteidigung zu geben. Leider ist diese Seite schon seit langem angekündigt, aber irgendwo hakt es wohl noch. Im Juli soll es losgehen. Nähere Informationen findest du hier: http://www.lebensmittelklarheit.de/start.html

Bei der Seite "www.lebensmittelwarnung.de", die ebenfalls zur Zeit im Aufbau ist, soll es nicht um die Bewertung von Lebensmitteln und Produktionstechniken gehen, sondern auf dieser Seite sollen alle Lebensmittelwarnungen der Länder zu sehen sein.

Und die Entscheidung zwischen Ethik und Profit muss jeder Kunde für sich selbst treffen. Wir können nur versuchen, mit Gesetzen und einer ausreichenden Überwachung dafür zu sorgen, dass er vor lauter Geiz nicht krank wird.

Mit besten Grüßen
Sönke

Trackbacks:

Noch keine Trackbacks vorhanden.



Soenke2015

Aktuell


Alle aktuellen Meldungen

 

Alle aktuellen Termine

Navigation

A+ A-

Bericht aus Berlin