Sönke Rix Bundestagsabgeordneter für den Kreis Rendsburg-Eckernförde


Themen

Quotenkillerin Merkel

10.02.2011

Heute haben wir im Deutschen Bundestag in einer aktuellen Stunde über eine Quote für weibliche Führungskräfte in Unternehmen debattiert. In der Bundesregierung gibt es dazu momentan keine einhellige Meinung: Arbeitsministerin von der Leyen will seit Neuestem eine Quote, Familienministerin Schröder setzt auf Freiwilligkeit und Kanzlerin Merkel hat versucht mit einem „Basta“ die Diskussion um in ihrem Kabinett zu beenden – denn die FDP würde da ohnehin nicht mitmachen.

Und einen weiteren Koalitionsstreit kann sich Schwarz-Gelb vor einer Handvoll Landtagswahlen nicht leisten. Doch wir wollten unseren Standpunkt zum Thema Gleichstellung im Beruf klar und deutlich formulieren und haben das Thema deshalb kurzfristig auf die Tagesordnung des Deutschen Bundestages setzen lassen.

Anlass dazu war auch der erste Gleichstellungsbericht der Bundesregierung, der letzte Woche übergeben wurde. Familienministerin Schröder – die zuständige Frauen- und Gleichstellungsministerin – hat ihren Staatssekretär vorgeschickt, um ihn entgegen zu nehmen. Denn ihr selbst gefällt wohl ganz und gar nicht, was in dem Bericht steht, den noch ihre Vorgängerin in Auftrag gegeben hat.

Unter anderem fordern die Autorinnen und Autoren des Berichts eine Quote für Führungspositionen in deutschen Unternehmen. Und auch ich meine: Diese ist längst fällig! Denn obwohl Frauen mittlerweile im Durchschnitt mit besseren Schul- und Universitätsabschlüssen ins Berufsleben starten, sind die Führungspositionen überwiegend von Männern besetzt. Und überwiegend heißt in diesem Fall: Fast ganz und gar. Der Anteil weiblicher Topmanager bei großen Unternehmen mit mehr als 20 Millionen Umsatz liegt bei 5,9 Prozent. Bei den DAX-Unternehmen liegt der Anteil bei gerade mal 3,2 Prozent. Die Selbstverpflichtung der Unternehmen, die vor zehn Jahren mit den Spitzenverbänden der Deutschen Wirtschaft vereinbart wurde, hat zu keiner Veränderung geführt. Ein Armutszeugnis, finde ich. Die Bundesregierung und damit die SPD hat 2001 auf Freiwilligkeit gesetzt. Schon schnell stellte sich heraus: Das war ein Fehler.

Während Schröder und Merkel am Dienstag einmal mehr eine freiwillige Verpflichtung mit der Wirtschaft unterschrieben haben, bringen wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten einen Antrag in den Bundestag ein, der eine gesetzliche Quote von 40 Prozent Frauenanteil in Aufsichtsräten und Vorständen fordert. Der Gleichstellungsbericht weist auch noch auf einen anderen Aspekt hin: Nicht nur aus gleichstellungspolitischen Gründen geboten, sondern auch aus ökonomischen. Es sei schlicht eine Vergeudung, würden die Unternehmen das weibliche Know-How und die Kompetenz der Frauen nicht nutzen.

Dass nur wenige Unternehmen – wie beispielsweise die Deutsche Telekom – alleine darauf kommen, dass sie die Frauen brauchen, hat unterschiedliche Gründe: Unter anderem wird Frauen nach wie vor unterstellt – meistens von männlichen Vorgesetzten – dass sie für „Fürsorgeaufgaben“ in der Familie zuständig sind. In Folge dessen investieren die Unternehmen weniger in die Weiterbildung und Beschäftigung weiblicher Angestellter.

Der Gleichstellungsbericht macht uns auf eine weitere Ungerechtigkeit aufmerksam, die schon in den vergangenen Monaten in den Medien diskutiert wurde. Frauen verdienen durchschnittlich 23 Prozent weniger als Männer. Nicht allein die Tatsache, dass typische „Frauenberufe“ - häufig im sozialen oder pädagogischen Bereich – schlechter entlohnt werden als beispielsweise technische Berufe, in denen Männer öfter beschäftigt sind, tragen zu diesem Lohnabstand bei, sondern handfeste Diskriminierung: Denn Frauen und Männer werden bei gleicher Arbeit und gleicher Qualifikation im gleichen Betrieb unterschiedlich entlohnt – die Frau im häufigsten Fall schlechter. Für mich ist klar: Das muss sich ändern.
Wir wollen auch hier eine gesetzliche Grundlage schaffen, um für Entgeltgleichheit in privaten Betrieben aber auch in öffentlichen Einrichtungen zu sorgen.

Wir dürfen nicht den gleichen Fehler wie vor neun Jahren machen ! Das Thema Gleichstellung  ist eines der wichtigsten gesellschaftspolitischen Themen der Zukunft. Ich bin mir sicher: Nur Gesetze und Sanktionen können für eine tatsächliche Gleichstellung von Frau und Mann im Erwerbsleben sorgen. Deutschland ist hinsichtlich der Gleichstellung von Männern und Frauen im Beruf unter den Schlusslichtern in Europa. Das darf nicht sein! Und das können wir uns nicht leisten!

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